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Kurze Geschichte der Stadt Písek

Die Stadt Písek im Mittelalter

Die erste schriftliche Erwähnung von Písek

Mikoláš Aleš (1852-1913) - Goldwäsche an der Otava, Foto: Městský úřad PísekErstmals wird Písek 1243 schriftlich in einer Urkunde König Wenzels I. erwähnt. Das Gebiet wurde jedoch bereits viel früher besiedelt. Menschen gab es hier nachweislich bereits im Paläolithikum (ältere Steinzeit). Die Entstehung erster Ansiedlungen im Píseker Becken steht alsdann mit den Anfängen der Goldwäsche aus den Flusssedimenten der Otava im Zusammenhang. Die Kelten waren es, die als erste den Sand der Otava mit Fleiß und System nach Gold durchsuchten. Von ihrer Anwesenheit zeugen unter anderem in der Nähe von Putim Funde von Grabhügeln mit vielen wertvollen Gegenständen aus Gold und Silber. Slawische Stämme kamen dann um das 5. bis 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in dieses Gebiet.

Písek und Přemysliden

Písek - Die rekonstruierte Königsburg in der Ausstellung des Museums Prácheň, Foto: Městský úřad PísekDie erste richtige Ansiedlung, würdig dieser Bezeichnung, gab es am rechten Flussufer an jener Stelle, an der später die Stadt entstand, mit Sicherheit bereits im 12. Jahrhundert. Von deren „Goldwäscherzielen“ zeugte bereits ihr Name: „Na Písku“ („Auf Sand“). Es muss jedoch erwähnt werden, dass hier in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und zu Beginn des 14. Jahrhunderts Gold nachweislich auch aus der Tiefe der Erde zu Tage gefördert wurde und Písek zu jener Zeit das Zentrum eines Bergbaureviers war. Die Ansiedlung verwandelte sich mit der Zeit in ein Marktdorf mit einer eigenen, dem Hl. Wenzel geweihten Kirche. König Wenzel I. (1205-1253) nahm unweit der Ansiedlung zum Schutz der Goldwäscherei an der Otava und des Goldener Pfad genannten Handelswegs den Bau einer Burg in Angriff. Der Goldene Pfad durchquerte die Otava gerade eben an jener Stelle, an der sich die Ansiedlung befand. Zur gleichen Zeit wie die Burg gründete Wenzel I. auch die Stadt. Ihren Namen erhielt sie aller Wahrscheinlichkeit nach nach dem Flusssediment, das in der Entwicklung der Stadt eine so entscheidende Rolle spielte – nach dem goldträchtigen Sand (písek). Wenzel I. gründete zwar die Stadt, um deren Ausbau und Entwicklung machte sich jedoch erst sein Sohn Přemysl Ottokar II. (1233-1278) verdient, der Písek zu einer befestigten Königsstadt machte. Gleichzeitig ließ er im Laufe von wohl lediglich zwei Jahrzehnten u. a. die Steinerne Brücke über die Otava, das Dominikanerkloster und die Pfarrkirche errichten und die königliche Burg fertigstellen, auf der er sich regelmäßig aufhielt. Dank seiner Macht und seines Reichtums wurde Přemysl Ottokar II. auch „Der eiserne und goldene König“ genannt. Es war gerade eben seine Amtszeit, die Písek zu einer der wichtigsten Städte des böhmischen Königreichs machte. Die Stadt erlangte zu jener Zeit ihre historisch größte Bedeutung und befand sich in ihrer Blüte.

Stadt Písek im Rahmen des Luxemburg

Auch im 14. Jahrhundert wuchs dank Goldwäscherei und -bergbau sowie der Lage der Stadt am Goldenen Pfad Píseks Reichtum weiter an, die Stadt gedieh. Von ihrer Bedeutung zeugt die Tatsache, dass ihr von König Johann von Luxemburg (1296-1346) verschiedentliche Privilegien erteilt wurden: das Wegegeldrecht, die Befreiung von Zoll- und Wegegeld, das Meilenrecht (bis zu einer Entfernung von einer Meile von der Stadt aus durften sich keine Händler und Handwerker niederlassen) sowie das Salz- und Getreidelagerrecht. Diese Privilegien konnten es hinsichtlich ihrer Anzahl mit den Privilegien der Prager Altstadt aufnehmen. Johanns Sohn, Kaiser Karl IV. (1316-1378), bestätigte Písek bzw. Nový Písek dann erneut als Hauptstadt des Gebiets Prácheň. Ebenso wie der Kaiser besuchte auch dessen Sohn König Wenzel IV. (1361-1419) Písek recht häufig. Gleichzeitig war er jedoch der letzte Herrscher, der sich auf der Píseker Burg aufhielt.

Písek und Hussiten

Eine bedeutungsvolle Etappe in der Stadtgeschichte ist die Hussitenzeit. Bereits vor Ausbruch des Hussitenaufstandes war Písek dem Kelch zugetan, d. h. der auf der Lehre des Meisters Jan Hus beruhenden religiösen Reformbewegung. Nebenbei bemerkt, etwa 10 km südwestlich von Písek, in der Nähe der Ortschaft Sudoměř, fand bereits im März 1419 die erste der siegreichen Schlachten unter dem Befehl von Jan Žižka von Trocnov statt.

Písek - Die erste Schusswaffe Böhmens (Museum Prácheň), Foto: Městský úřad PísekIn der Schlacht bei Sudoměř am 20. März 1419 konnte sich eine kleine Hussiten-Abteilung (etwas mehr als 400 Mann) einer fünfmal zahlreicheren Übermacht kaiserlicher Soldaten erwehren. Bereits damals stellte Jan Žižka seine Fähigkeiten als genialer Heerführer unter Beweis. Sein Gefolge errichtete eine Wagenfestung auf dem Damm zwischen zwei Teichen, was beim Gegner zum völligen Verlust des Vorteils der Überzahl führte. Und als der Gegner versuchte, seitwärts vom abgelassenen Teich aus anzugreifen, konnten sich die Soldaten mit ihren schweren Rüstungen im tiefen Schlamm nur sehr schwer bewegen und waren für die Hussiten ein leichtes Ziel. Einer Sage zufolge hatten damals Hussitenfrauen im Teich Leintücher ausgebreitet, die den in Rüstungen Gekleideten jede Bewegung erschwerten, was sie für die Hussiten zu einer leichten Beute machte.

Ähnlich wie in Tábor (und vielleicht sogar etwas früher als dort) stellten die Einwohner von Písek auf dem Marktplatz große Bottiche auf, in welche sie zugunsten der „gemeinsamen Sache“ ihr gesamtes persönliches Hab und Gut hineinlegten. Písek wurde zu einem der Zentren der Hussitenbewegung und blieb Hus' Idealen mehrere Jahrzehnte lang treu – bis zum Jahre 1452 fungierte die Stadt als selbstverwaltende städtische Hussitenrepublik.